Algeria 77 - the beginning

all photos by Bernd Woick, text by Winfried Queiser

Algerien 77 - so fing es an

alle Fotos von Bernd Woick, Text von Winfried Queiser

 

Unsere Gruppe bestand aus Heidrun Kohler, Bernd Woick, Winfried Queiser, mir (Jochen Baumann), einen 88er Landrover und einem Mercedes Unimog 404S. Nach einer fast einjährigen Vorbereitung (damals gab es noch keinen Därr, Woick etc., alles musste man mühsam selber besorgen) sollte es dann im Sommer! 1977 losgehen.

Gesamte Fahrstrecke 31.7.1977 bis 10.10.1977:     11559 km
Größte Tagesleistung:                                               602 km (9.10.1977)
Südlichster Punkt:                                                     Tamanghasset Tankstelle

 

Unsere Route 1977
Our route in 1977

 

Hier das Tagebuch von Winfried Queiser (nachträgliche Anmerkungen von Jochen Baumann sind kursiv)

Inhaltsverzeichnis

Abfahrt in Deutschland

Fahrt durch Spanien entlang der Mittelmeerküste

Wir kommen nach Afrika, Marokko

Fahrt nach Algerien

Von Tamanghasset nach Djanet

Die Wanderung nach Tamrit und Sefar zu den Felsbildern

Möglichst schnell von Djanet nach Ouargla zur Visaverlängerung

Fahrt durch Tunesien

Wieder in Europa

Bilder

Mein erstes algerisches Visum

Auf der Terrasse eines Cafes in Marrakech

Kauf von Mineralien auf dem Pass Tizi-n-Tichka

Versteinertes Holz und unsere Fahrzeuge im Tidikelt westlich von In Salah

Luftspiegelung meines gelben Mercedes Unimog auf der "alten" Hoggar Piste bei In Ekker

Durchquerung des Erg Admer nördlich von Djanet Richtung Fort Serouenout

Endlich die Verlängerung des Visums

 

Abfahrt in Deutschland

Sonntag 31.7.1977
Abfahrt um 9:30 Uhr bei Kilometerstand 63305 in Köln. Nach fast fünf Stunden Fahrt erreichen wir Schwaigern bei Heilbronn. Heidrun und Bernd beladen fleißig, als sie feststellen, dass die Federn des Landrovers hinten aufsitzen. Wir versuchen jemanden in der Firma, die die Federn hergestellt hat, zu erreichen - erfolglos. Somit muss unsere Abfahrt - geplant für den frühen Montagmorgen - erst einmal verschoben werden. Wir basteln noch etwas an unserem Martinshorn (unser Unimog ist ein ehemaliges Bundesgrenzschutz-Fahrzeug, es wurde wohl vergessen das Martinshorn auszubauen) herum und gehen früh schlafen.
Kilometerstand 63305 bis 63640, gefahrene Kilometer: 335.

Montag 1.8.1977
Am Morgen lassen wir dir Landroverfedern verstärken. Die ganze Aktion dauert etwa 3 Stunden. Nach dem Mittagessen fahren wir um 12:30 Uhr beim Kilometerstand 63640 los.
Die Fahrt zur französischen Grenze bei Mühlhausen verläuft reibungslos. Wir haben 4 1/2 volle Kanister (Benzin) bei uns. Einige Kilometer südwestlich von Besancon finden wir einen Schlafplatz an einem Berghang. Das erste Abendessen ist noch recht umständlich.
Kilometerstand 63640 bis 64046, gefahrene Kilometer 406

Dienstag 2.8.1977
Nach einer kühlen Nacht werden wir durch Bernds Kojak-Sirene und das Platzen eines LKW-Reifens geweckt. Nach einer halben Stunde Fahrt lassen wir etwa 1 1/2 Liter Öl aus der Vorderachse ab und füllen es in das Getriebe. Bei der Fahrt zu unserem Mittagsrastplatz kommt zum ersten Mal der Vorderradantrieb zum Einsatz. Wir stellen fest, dass unsere Sandblechhalterung abgerissen ist. Bernds 14 Volt Anzapfung wurde von der Schwefelsäure der Batterie zerfressen. Nach 8 1/2 Stunden Fahrt halten wir abseits der Straße von Nimes nach Montpellier.
Kilometerstand 64646 bis 64508, gefahrene Kilometer: 462

 

Fahrt durch Spanien entlang der Mittelmeerküste

Mittwoch 3.8.1977
Nach dem Frühstück lassen wir wieder etwas Getriebeöl aus der Vorderachse ab. Auf der Strecke nach Perpingon staut sich stellenweise der Verkehr. In der Cafeteria eines Supermarktes essen wir zu Mittag (Kotelett und Pommes Frites). Bernd schreibt eine Karte an zu Hause. Der Übergang nach Spanien erfolgt reibungslos. Nach der Grenze tanken wir (80 Liter 90 Oktan á 31 Peseta). Fahrt an der Küste wird von langen Stränden begleitet. Die Übernachtung erfolgt südwestlich von Barcelona in einem Wald an der N340. Die Fahrt von über 9 Stunden (wer den Unimog 404S kennt, weiß was das heißt) hat geschlaucht.
Kilometerstand 64508 bis 64934, gefahrene Kilometer 426

Donnerstag 4.8.1977
Wir stehen später auf als üblich und fahren erst nach 10:00 Uhr los. Am Vormittag besuchen wir Gaby Schmidt in Calafell. Dort nehmen Jochen, Heidrun und Winfried eine erfrischende Dusche, während Bernd die Autos bewacht. Gaby verspricht uns zu Hause (bei ???) anzurufen. Mittagessen (Würstchen) südlich von Tarragona. Kurzer Mittagsschlaf. Weiterfahrt Richtung Castellón. Wenige Kilometer vor Benicasim frisst gegen 19:30 Uhr die Riemenscheibe des Keilriemenspanners (des Unimogs). Wir bauen das Lager aus und sehen den Schaden! Lager defekt und Keilriemen fast gerissen. Bernd fährt nach Benicasim um ein neues Lager zu besorgen. Vergeblich. Wir ersetzen den Keilriemen durch eine halbe Nylonstrumpfhose von Heidrun. Diese reißt jedoch noch bevor wir auf einem Campingplatz ankommen. Alle Plätze in Benicasim sind überfüllt. Auf der Straße zerlegen wir Bernds Vergaser, der einen eigenartigen Fehler aufweist. Gegen 23:00 Uhr gibt es endlich Abendessen. Gegen Mitternacht Bettruhe. Wir übernachten auf einer Seitenstraße unmittelbar neben einem Campingplatz in Benicasim. Bernd und Heidrun schlafen im Unimog.
Kilometerstand 64934 bis 65195, gefahrene Kilometer: 261

Freitag 5.8.1977
Gegen 9:00 Uhr morgens fahren Jochen und Bernd nach Castellón um das defekte Lager zu besorgen. Gegen 10:30 beginnt der Einbau der Teile, gegen 12:00 Uhr geht die Fahrt dann weiter.
Wir fahren ohne Mittagspause durch. In Benidorm und Umgebung finden wir keinen (freien) Campingplatz. Auf einem Platz holen wir Wasser (stark gechlort) und fahren dann ca. 10 km südlich von Benidorm an den Strand, wo wir wild campen. Wir erfrischen uns durch ein kurzes Bad (Steinstrand).
Kilometerstand 65195 bis 65439, gefahren Kilometer 244

Samstag 6.8.1977
Bernd und Heidrun versuchen ihren Floh loszuwerden. In Alicante stehen wir wieder im Stau. Anschließend Fahrt in Richtung Cartagena über Nebenstraßen (Salinen). In Cartagena verfahren wir uns und geraten in Nebenstraßen. Die Fahrt mit dem Unimog wird zu Millimeterarbeit. Die Straße nach Águilas ist sehr schmal, kurvenreich und hat einige Steigungen. Viele Bodenwellen - bei einer hebt der Unimog vorne ab. Der Benzinverbrauch im Gebirge scheint sehr hoch zu sein (ca. 40 Liter auf 120 km). Der Strand in Águilas ist ziemlich voll (alles Wildcamper) und sehr schmutzig. Zum Abendessen gibt es bei uns einen Linseneintopf, bei Bernd Pfannekuchen mit Apfelmus. Heidrun macht Tomaten-Paprika-Salat. Am Abend viele Mücken.
Kilometerstand 65438 bis 65670, gefahrene Kilometer: 231

Sonntag 7.8.1977
Wir machen Pause am Strand von Águilas. Der Sandstrand sieht aus wie eine Müllhalde. Bernd und Heidrun waschen ihre Schlafsäcke. Am Spätnachmittag baut Bernd seinen Vergaser auseinander und stellt fest, dass die Beschleunigerpumpe falsch zusammengebaut war. Wir bauen unsere Tanks aus und dichten sie ab. Brief an zu Hause.
Kilometerstand 65670, gefahrene Kilometer: 0

Montag 8.8.1977
Wir fahren morgens weiter nach Almeria. Ca. 3 km vor Vera sehen wir Höhlenwohnungen an einem Berghang. Die Besichtigung wird zu einer abenteuerlichen und gefährliche Kletterpartie. Als wir fast unser Ziel erreicht haben, stellt Bernd fest, dass kein Film in der Kamera ist. Jochen müssen wir mit dem Spaten aus der Wand zurückholen (weil ich mich total verklettert habe). In Vera erfrischen wir uns mit Coke, Mineralwasser und Bier. Keilriemenkauf. Wir wollen in Castell de Ferro auf unseren Stammcampingplatz (von 1972, 1975,1976), doch alles ist belegt. Wenig weiter fahren wir jedoch in eine schön gelegene Bucht mit Kiesstrand und einer Süßwasserquelle (36° 42,5711' N  3° 23,4096' W). Es wimmelt vor Italienern. Heidrun und Winfried erklimmen eine Ruine. Nach 22:00 Uhr beginnen wir Mittagessen zu kochen.
Kilometerstand 65670 bis 65894, gefahrene Kilometer: 224

Dienstag 9.8.1977
Weil der Strand so schön ist, bleiben wir noch einen Tag. Am Morgen ist der Himmel verhangen, aber gegen 1:30 Uhr kommt die Sonne heraus. Heidrun und Winfried umschwimmen eine Insel, nachdem sie ihm einige Seeigelstacheln aus dem Fuß geholt hat. Zusammen mit Jochen erklimmen wir die Felsen auf der Insel. Anschließend sind besonders bei Jochen Anzeichen von Sonnenbrand zu erkennen. Am Spätnachmittag trifft hier ein Unimog 404S Koffer mit festem Führerhaus (also wie unserer) Baujahr 1956 aus Meerbusch ein. Ist Rizzani-Zagora (zwei Oasen im Süden von Marokko) gefahren. Dabei Hinterradachsführung am Getriebe abgerissen. Unimog sieht ziemlich gammelig aus, hat aber 110PS Maschine und verbraucht 30 Liter/100 km. Langer Erfahrungsaustausch.
Unheimlich viele Kfz werden durch uns dazu verleitet auf den Sand zu fahren. Werden mehrmals um Sandbleche angepumpt. Absende Brief an Renate.
Kilometerstand 65894, gefahrene Kilometer: 0

Mittwoch 10.8.1977
Wir bewältigen den Kiesstrand mit Hilfe von Allrad und Differentialsperre einwandfrei. Anschließend haben wir jedoch erhebliche Schwierigkeiten mit dem Getriebe. 1. Dritter Gang lässt sich nicht mehr herausnehmen. 2. Zurückschalten nur mit Zwischengas, 3. Wagen rollt auch noch etwas, wenn Kupplung losgelassen wird. Wir beschließen nach Malaga in die Mercedes-Werkstatt zu fahren und dort das Getriebe zu öffnen. Die Werkstatt sieht äußerlich gut aus und hat eine große Halle, ist jedoch nichts anderes als ein großer Parkplatz. Man traut uns eine Getriebereparatur nicht zu. Außerdem besitzt die Werkstatt keinen Kran und keinen großen Abzieher. Wir fahren wenig weiter zu einer anderen Werkstatt, auf deren Hof wir - nach anfänglichem Misstrauen - das Getriebe öffnen können. Wir stellen fest, dass sich der Synchronring des 6. Ganges verklemmt hat, weil das Abtriebszahnrad und der Abtriebsflansch (des Hinterachsantriebes) verschoben haben. Um dies zu beheben müssen wir eine Schlitzmutter an der Getriebehauptwelle festziehen. Dazu braucht nicht das ganze Getriebe sondern nur die Hinterachse ausgebaut zu werden. Wir ziehen mit dem Landrover unseren Unimog wieder aus der Werkstatt um zu übernachten. Morgen wird ein  anstrengender Tag. Am Abend kommen Hunderte von Mücken. Im Rover ist es gegen 23:00 Uhr ca. 33°C. Unruhige Nacht.
Kilometerstand 65894 bis 66025, gefahrene Kilometer: 131

Donnerstag 11.8.1977
Wir stehen bereits um 7:30 Uhr auf. Kurz nach 9:00 Uhr wird der Unimog wieder in die Werkstatt geschleppt. Der Ausbau der Hinterachse verläuft reibungslos. Gegen 13:00 Uhr (Mittagspause) haben wir bereits den Abtriebsflansch auf das Zahnrad geschlagen. Und ein neues Kugellager eingesetzt, das allerdings nicht defekt war. Das Lager war übrigens in der Werkstatt vorrätig. Zu Mittag essen wir in einem Restaurant des Industriegebietes. ( für 4 Personen zusammen etwa für 17,- DM). Um 15:00 Uhr stehen wir wieder auf der Matte. Die Hitze ist noch fast unerträglich. Es dauert noch bis 19:15 Uhr bis sich unser Wagen zur Weiterfahrt in Bewegung setzen kann. Wir bezahlen der Werkstatt das Kugellager und ein ordentliches Trinkgeld (zusammen ca. 30,- DM). Einkaufen und Nachtfahrt nach Algeciras. Dort Ticketverkauf (für Fähre nach Ceuta) geschlossen und Lambruskieren (Lambrusko in größeren Mengen getrunken).
Kilometerstand 66025 bis 66158, gefahrene Kilometer: 133

 

Wir kommen nach Afrika, Marokko

Freitag 12.8.1977
Am Morgen dicker Kopf und früh aufstehen um Karten für die Fähre zu kaufen. Die Verkäufer haben keine Ahnung. 3 Landrover bezahlen unterschiedliche Preise. Wir erhalten eine Karte für 18:00 Uhr. Wir gehen in die Stadt um die poste restante abzuholen. Für mich sind zwei Briefe mit Micropur (Wasserentkeimungsmittel) angekommen. Mittagessen: Hähnchen. Am Nachmittag duschen. Wir treffen eine Menge Marokkofahrer. Im Konvoi 1 Unimog, 3 Landrover fahren wir zur Fähre. Tanken 18,1 Pts = 49,9 Pfg / Liter (in Ceuta). Wir übernachten am Strand neben einem holländischen Landrover, der nach Tanzania fährt. Unterhaltung bis nach Mitternacht.
Kilometerstand 66158 bis 66172, gefahrene Kilometer: 14

Samstag 13.8.1977
Morgens werden noch die letzten Peseten ausgegeben (Brot, Batterien, Tanken). Brief an zu Hause. Karte an Baumanns, Karl Heinz und Dagmar.
Grenzübertritt nach Marokko ohne Schwierigkeiten (Dauer etwa 1 Stunde). Unser Tagesziel ist Meknes über Tetuan, Ouezzane und Moulay Idris. Etwa 190 km vor Meknes zerfällt just in der großen Mittagshitze unsere Keilriemenscheibe auf der Wasserpumpe in 2 Teile. (genau den gleichen Fehler hatte auch der Neusser Unimog). Wir bohren 4 Löcher durch die beiden Metallplatten (der Keilriemenscheibe) und schrauben sie zusammen. Die Aktion dauert 2 1/2 Stunden. Ankunft in Meknes um 20:15 - etwa 3/4 Stunde nach Einbruch der Dunkelheit.
Kilometerstand 66172 bis 66480, gefahrene Kilometer: 308

Sonntag 14.8.1977
Schlaffer Tag. Bis etwa 16:00 Uhr hängen wir rum, unterbrochen vom Duschen. Anschließend Reparatur der 12V Anlage. Abbau eines lockeren Trägers aus dem Führerhausdach und Nachziehen von Schrauben an der Hinterachse. Gegen 18:00 Uhr laufen wir in die Altstadt. Wir nehmen einen kleinen Führer, der Heidrun seinen Gürtel verkauft. Mir ist schlecht vom Abendessen. (Leberkäse).
Kilometerstand 66480, gefahrene Kilometer: 0

Montag 15.8.1977
Wir stellen fest, dass unser rechter Hinterreifen fast platt ist. Wir ziehen einen fast 5 cm langen Nagel heraus. Der Schlauch wird geflickt.
Bereits in der Nacht habe ich wieder einmal Magenkrämpfe und Durchfall bekommen. Kurz vor Mittag fahren wir los. Teilweise verbringe ich die Fahrt im Koffer. Die Temperatur im Auto beträgt etwa 40°C. Die Fahrt geht durch eine recht öde, teilweise gebirgige Landschaft am Fuß des Mittelatlas. Der Benzinverbrauch steigt durch die teilweise kurvigen Strecken. Die Übernachtung erfolgt auf dem Campingplatz in El Ksiba. Unterhaltung mit einem Ludwigsburger.
Kilometerstand 66480 bis 66723, gefahrene Kilometer: 243

Dienstag 16.8.1977
Noch vor dem Frühstück beginnen wir unseren rechten Hinterreifen zu drehen, weil er einseitig abgefahren ist. Heidrun ist unwohl. (Begleiterscheinung durch Resochin). Zunächst erfolgt die Fahrt am Fuß des Mittelatlas durch künstlich bewässertes Gebiet. Später wird die Gegend wüstenähnlich um nachher kurz vor Marrakech in Oasencharakter überzugehen.
Der Campingplatz ist ziemlich voll. Gegen Abend gehen wir in die Stadt. Abendessen (Jochen, Heidrun und Bernd) auf dem großen Platz. Einkauf von Jacken. Gang durch die Medina. Rückfahrt mit der Kutsche. Unterhaltung mit der Besatzung eines 406D aus Oldeslohe. Tee-Trinken bis 21:00 Uhr.
Kilometerstand 66723 bis 66983, gefahrene Kilometer: 260

Mittwoch 17.8.1977
Wir gehen zur BACE um Benzingutscheine zu besorgen. Die Bank ist total überfüllt, außerdem gibt es nur für 200 anstatt für 300 DM Scheine. Bernd versucht inzwischen eine Batterie für den Rover zu besorgen. Er verläuft sich allerdings, als er die auf der gegenüberliegenden Seite der Straße befindliche Bank finden will. Bernd schleppt die Batterie etwa 3 km zu Fuß. Am Abend fahren wir mit dem Bus in die Stadt. Wir fotografieren im Bus und von der Terrasse am großen Platz.

Auf der Terrasse eines Cafes in Marrakech
On the roof of a cafe in Marrakech

Viel erhandeln können wir allerdings nicht mehr, da die Geschäfte bereits vor Sonnenuntergang schließen. Am Abend große Besichtigung des Wagens durch 2 VW-Bus Fahrer aus Stuttgart. Das Wetter ist ausgesprochen kühl (nachts 17°C).
Kilometerstand 66983, gefahrene Kilometer: 0

Donnerstag 18.8.1977
Bernd und ich (Winfried) gehen in die Post um nach Briefen zu fragen. Für mich (Winfried) ist ein Brief von Renate da. Der Postbeamte findet ihn mehr oder weniger zufällig. Heidrun und ich waschen Wäsche. Am Nachmittag fahren wir in die Stadt um noch einige Sachen zu kaufen bzw. tauschen. Bernd ersteht für einen Taschenrechner 2 Ledertaschen, für ein Radio etwas Silber. Ich kaufe Decken, einen Kaftan und einen Hut. Abendessen auf dem Platz (ich bekomme leichten Durchfall davon). Unterhaltung mit einigen Leuten aus Köln. Letzter Abend.
Kilometerstand 66983, gefahrene Kilometer: 0

Freitag 19.8.1977
Morgens kein Wasser mehr auf den Duschen. Fahrt zur Post - erfolglos. Vertanken unsere Benzingutscheine. Versuchen neue Keilriemenscheibe für Unimog zu bekommen, jedoch vergeblich. Brief an Renate, meine Eltern und Petra.
Fahrt nach Ouarzazate über den Tizi-n-Tichka. Unterwegs Einkauf von Mineralien.

Kauf von Mineralien auf dem Pass Tizi-n-Tichka
Buying of minerals on the pass Tizi-n-Tichka


Vor dem Pass fängt der Unimog an zu stottern. Besuch der Kasbah von Ait-Benhaddou. Teetrinken - extrem teuer. Nach etwa einer 3/4 Stunde Nachtfahrt kommen wir auf dem Campingplatz in Ouarzazate an. Ich stelle fest, dass ich meine Arbeitshose verloren habe, weil ich sie in Marrakech aufs Dach gelegt habe.
Kilometerstand 66983 bis 67219, gefahrene Kilometer: 236

Samstag 20.8.1977
Um 7:00 Uhr aufstehen. Kein Wasser auf dem Campingplatz. Wenige Kilometer hinter Ouarzazate durchtrennen wir 2 Drähte einer tiefhängenden Telefonleitung (unabsichtlich mit dem hohen Unimog). Bernd geht es nicht besonders gut. Er hat Magenschmerzen und Durchfall. Ich habe eine starke Erkältung, Halsschmerzen, Schnupfen und später Nasenbluten. Kurz vor Boumalne trinken wir Tee. Dabei treffen wir wieder den Stuttgarter VW-Bus. Er will ebenfalls die Schluchtenrundfahrt (Dades - Todra - Schlucht) machen. Die Strecke ist längst nicht so weit asphaltiert wie die neueste Michelinkarte zeigt. Die Fahrt ist auf knallharter Piste sehr beschwerlich. Wir finden eine Bielefelder Ente mit Motorschaden und schleppen sie ins nächste Dorf. Unser Funkgerät ist ausgefallen (Sender). Unser Motor spotzt (stottert, wegen des schlechten Benzins) erheblich als wir über einen 2800 m hohen Pass fahren. Übernachtung wenige Kilometer später an der Piste.
Kilometerstand 67219 bis 67424, gefahrene Kilometer: 205

Sonntag 21.8.1977
An unserem Schlafplatz erhalten wir Besuch von Nomaden. Die Fahrt geht zunächst über eine Ebene, dann durch die Todra Schlucht, deren Piste wesentlich besser zu befahren ist als die der Dades Schlucht. Ab Tinerhir schnurgerade Piste. Mittagessen (Tajine) in Goulmima. Am Nachmittag Campingplatz in Ksar-es-Souk (Er Rachidia). Jochen versucht Funkgerät zu reparieren. Erfolglos. Duschen.
Kilometerstand 67424 bis 67616, gefahrene Kilometer: 192

Montag 22.8.1977
In Ksar-es-Souk tanken wir auf. Die Fahrt geht Richtung Figuig. Kurzer Besuch bei den blauen Quellen von Meski. Passkontrolle in Boudenib. Der Beamte regt sich über Bernds Antenne auf. Die gefürchtete Piste von Boudenib nach Bouârfa ist inzwischen asphaltiert. Unterwegs treffen wir einige deutsche Algerienfahrer. Gegen 17:00 Uhr kommen wir in Figuig an. Wir schreiben Karten und einen Brief nach Hause. Einkauf von Zigaretten.
Wir versuchen noch nach Algerien zu kommen, jedoch ohne Erfolg. Der Polizeibeamte kippt trotz Ramadan einen Cognac runter und vertröstet uns auf morgen früh 9:00 Uhr.
Wir haben einen Schlafplatz gegenüber der Polizeistation und werden von Kindern umlagert.
Kilometerstand 67616 bis 68002, gefahrene Kilometer: 386

 

Fahrt nach Algerien

Dienstag 23.8.1977
Am Morgen sind wir schon wieder von Kindern umlagert. Wir fahren zur Polizeistation, wo wir zum erstenmal durchsucht werden. Anschließend fahren wir zur Zollkontrolle. Der einzige Zöllner wird um 9:30 Uhr aus dem Bett geholt und mit einer Probepackung Zigaretten bestochen. Unmittelbar vor der Grenze durchsuchen die Marokkaner noch einmal das Auto. An der algerischen Grenze wird Bernd nach Whisky und Sex-Magazinen gefragt. In Beni-Ounif müssen wir noch zur Bank und eine Haftpflichtversicherung abschließen. Alle Formalitäten zusammen dauern etwa 3 Stunden, obwohl wir die einzigen waren, die die Grenze überquert haben. Fahrt nach Béchar auf breiter gut ausgebauter Straße. In Béchar tanken wir und treffen dabei Neuseeländer, deren Lichtmaschine defekt ist. Auf dem Gelände des Krankenhauses tanken wir 100 Liter Wasser. Die Straße nach Beni-Abbes führt durch ein recht ödes Gebiet (Stein-Kies-Wüste). Etwa 1 Stunde nach Sonnenuntergang kommen wir in Beni-Abbes an. Wir übernachten in einem Wadi. Mücken. Ich habe 38°C Fieber.
Kilometerstand 68002 bis 68375, gefahrene Kilometer: 373

Mein erstes algerisches Visum (Ausreisestempel auf der Verlängerung!)
My first algerian visa (exit-stamp on the prolongation)

Mittwoch 24.8.1977
Wir stehen spät auf. Die Tankstelle in Beni-Abbes hat geschlossen. Zu kaufen gibt es recht wenig (nur Gurken). Die ersten Sanddünen erscheinen. Wir machen 2 Stunden Pause. Anschließend nehmen wir einen alten Araber einige Kilometer mit. Wir probieren kleine Sanddurchfahrten aus. Der Unimog erweist sich dabei als ziemlich unbeweglich. An der Tankstelle in Kerzaz müssen wir 1 1/2 Stunden auf Benzin warten. Wir tanken alles voll. Das algerische Benzin ist besser als das marokkanische (stinkt nicht so stark, Motor spotzt nicht). Übernachtung bei 3 Palmen, 2 toten Kamelen, tausend Mistkäfern und 2 Skorpionen. Letztere werden erlegt. Jochen kotzt, Heidrun ist es schlecht, ich habe 38°C Fieber und Halsschmerzen. Wir gehen kurz vor 24:00 Uhr schlafen. Temperatur immer noch 35°C.
P.S. Ich (Winfried) habe Geburtstag.
Kilometerstand 68375 bis 68560, gefahrene Kilometer: 185

Donnerstag 25.8.1977
Früh aufgestanden. Die ganze Nacht und am Morgen bläst ein starker Wind.
Kilometerstand 68690 Brunnen, Süßwasser 3-4 m tief. Wir waschen uns die Haare, Bernd füllt Trinkwasser nach. Einkauf von Zitronensirup in Sbaa. Brunnen alle 10 km. Kilometerstand 68763 Adrar, Mittagspause, treffen 3 Italiener mit Rover aus Mali total verschlammt und 2 Bayern, die die Bidon V Piste (Tanezrouft Piste) fahren wollen (mit nur 80 l Wasser). Auffüllen der Wasservorräte, schlaff herumhängen. Zollabfertigung brauchen wir nicht. 18:00 Uhr auftanken. Wir sind nun voll mit 165 l Wasser und 400 l Benzin ausgerüstet. Die Fahrt geht nicht über die Hauptpiste, sondern über eine schlechtere Piste einige Kilometer westlich, die durch Oasen führt. Polizeikontrolle (nur Pässe) am Ortsausgang von Adrar. Kurzer Halt in der Minioase Bouffedi. Wir werden freundlich empfangen. Man schenkt uns Datteln, wir verschenken Kopfschmerztabletten und Bonbons.
Kilometerstand 68787 Übernachtung. Heidrun und Jochen sind kaputt. Heidrun legt sich sofort hin. 5 Algerier mit Reifenpanne kaufen uns Flickzeug und eine Taschenlampe ab. Die wollen am liebsten uns den ganzen Wagen leer kaufen. Gegen 10:00 Uhr gibt es Nudeln und Würstchen, nach Mitternacht Gurkensalat. Wir trinken etliche Liter Tee.
Kilometerstand 68560 bis 68787, gefahrene Kilometer: 227

Freitag 26.8.1977
7:15 Aufstehen, frühes Losfahren Richtung Reggane. Piste zunächst gut, dann einige Kilometer Asphalt. Piste wird anschließend übelstes Wellblech mit kleinen Sandflächen. Trasse für Asphaltstrasse schon geschoben. Zollposten in Reggane mosert Jochen wegen (seines) Filmens an, ist jedoch dann recht freundlich. Er gibt folgende Information: Straße über Oasen Adrar Reggane wird asphaltiert. Alte Piste aufgegeben. Bidon V Piste wird geschlossen. Dafür soll Adrar - Aoulef - In Salah asphaltiert werden (Verkehr dann über Hoggar Piste).
Heidrun ist schlecht. Unimog hat Reifenpanne. Im Restaurant gibt es nur warmen Orangensaft (in Reggane ist der Strom ausgefallen). Jochen macht Langstreckenduschen. Gegen 9:00 Uhr abends fangen wir mit der Reifenreparatur an. Ventil ist abgerissen. Wasserventil wird aufgesetzt. Sandsturm kommt auf. Unterhaltung mit dem Zollbeamten bis 1:00 Uhr.
Kilometerstand 68787 bis 68918, gefahrene Kilometer: 205

Samstag 27.8.1977
Morgens erfrischende Dusche. Während der Vorbereitung unserer Abfahrt zischt es plötzlich wieder. Große Frustration. Das gestern geflickte Loch ist wieder undicht. Wir setzten neuen Schlauch ein. Bernd kauft ein Ziegenfell, in das Wasser reingefüllt wird. Es wird fast 12:00 Uhr bevor wir auf die Strecke nach Aoulef gehen. Das Wetter ist bewölkt, teilweise stürmisch, am Morgen hat es sogar etwas geregnet. Die Piste ist eintönig, zunächst Wellblech, später sandig. Wir erreichen die Oase Aoulef nach etwa 3 Stunden Fahrt. Zunächst fahren wir durch eine Palmarie mit viel Oberflächenwasser. Hier leben fast nur Neger. Das eigentliche Dorf ist 5 km weiter. Wasser aus Foggara. Wir können im klimatisierten Raum der Polizeistation kochen und uns dort aufhalten. Heidrun, Bernd und ich haben Gelegenheit zu duschen. Jochen und Bernd kaufen ein weiteres Ziegenfell. Die Ziegen werden Susi (Jochen) und Klytämnestra (Bernd) getauft. Wir übernachten in der Nähe der Polizeistation. Es ist unheimlich heiß.
Kilometerstand 68918 bis 69036, gefahrene Kilometer: 118

Sonntag 28.8.1977
Frühes Aufstehen. Trotzdem dauert der Start wieder relativ lange. Wir müssen noch einmal Wasser auftanken. Die Piste ist recht eintönig und zu Beginn gut mit Steinen markiert. Mit zunehmendem Abstand werden die Spurbündel breiter und verlaufen sich schließlich in der Landschaft. Nach 3 Stunden Fahrtzeit erreichen wir einen Brunnen in einer Senke, an dem wir Mittagspause machen. Ein weiterer Brunnen, den wir finden ist, ausgetrocknet. Zufällig finden wir den versteinerten Wald.

Versteinertes Holz und unsere Fahrzeuge im Tidikelt westlich von In Salah
Petrified forest and our cars  in Tidikelt western of In Salah

Kurz vor In Salah werden die Sandfelder häufiger. In wenigen Fällen benutzen wir den Allradantrieb. Die Wassertemperatur steigt während der Fahrt auf 101°C. In In-Salah gehen wir zur Post und sind enttäuscht, dass nichts für uns angekommen ist. Die Polizei, bei der wir uns rückmelden, hat keine Ahnung (Straße nach Amguid sei asphaltiert). Wir übernachten unter Palmen. Jochen schläft in der Hängematte. Bernd auf dem Dach (Wir haben hier nachts um 1:00 Uhr 42°C gemessen!)
Kilometerstand 69036 bis 69211, gefahrene Kilometer: 175

Montag 29.8.1977
Bernd und Jochen fahren tanken und versuchen zu Hause anzurufen (erfolglos). Wir ziehen Schrauben am Unimog nach, machen Ölwechsel, wechseln die Unterbrecherkontakte und stellen die Zündung nach. Es wird ziemlich heiß. Wir überstehen den Tag einigermaßen gut, indem wir uns dauernd in einen Bewässerungsgraben legen.
Briefe an Renate und meine Eltern. Am Nachmittag ruft Bernd zu Hause an. Diesmal hat er Erfolg. Kurz vor Sonnenuntergang starten wir zusammen mit einem deutschen VW-Bus (Richtung Tamanghasset). Wir fahren bis zum Ende der Asphaltstrecke, das wir kurz nach Mitternacht erreichen.
Kilometerstand 69211 bis 69452, gefahrene Kilometer: 241

Dienstag 29.8.1977
Die drei Fahrzeuge brechen gegen 9:00 Uhr auf. Schon bald zeigen sich die Schwierigkeiten, die der VW-Bus im Gelände hat. Aus einem ausgebrannten Bedford bauen wir die Einspritzpumpe aus. Wenig später bleibt der Bus im Sand stecken und muss mit der Seilwinde wieder herausgezogen werden. Der Bus gibt auf und fährt mit Nürnbergern wieder zurück.
An Tadjemout sind wir vorbeigefahren, da es wegen des Straßenbaus keinen Zugang gibt. Arak ist eine Ansiedlung von Bauarbeiterhütten. Es gibt Normalbenzin. Am Brunnen machen wir Mittagspause. Die Klappe oberhalb meiner Kiste hatte sich geöffnet. Kakao und Zucker haben mir die Kleidung versaut. Wir sichern die Klappe. Bernd zieht 2 Peugeots mit seiner Seilwinde aus dem Sand. Die nun folgende Umleitung ist übelstes Wellblech. In 4 Stunden schaffen wir 75 Kilometer. Der Stoßdämpfer rechts hinten ist defekt. Der Landrover hat Schwierigkeiten mit der Benzinpumpe (Ausbau). In der Nähe eines Armeelagers (Luftfilter wird saubergemacht) Unterhaltung mit den Straßenbauarbeitern.
Kilometerstand 69452 bis 69577, gefahrene Kilometer: 125

Mittwoch 31.8.1977
Ich habe etwas Durchfall. Kurz hinter dem Übernachtungsplatz treffen wir einen deutschen VW-Käfer, der für einen Bus am Marabout Mouley Hassan eine Bremstrommel in In Salah holen soll. Am Marabout Unterhaltung mit den Deutschen. Auftanken von Wasser aus Armeevorräten (Brunnen ausgetrocknet). Weiterfahrt nach In Ekker. Ca. 3 km Asphalt (sehr schlecht). Rest der Asphaltstraße gesperrt (Militärgebiet). Bei der Gendarmerie in In Ekker können wir duschen (leider kaum Wasser). Es gibt eiskaltes Wasser zu trinken. Übernachtung wenige Kilometer hinter In Ekker. Wir müssen eine Bremsleitung reparieren, die gegen den Rahmen schlägt.
Das Wellblech schafft alles: Schon wieder Zucker in meiner Kiste, Schrankklappen vorne links, Stangenhalterung. Wir finden eine Hand voll Schrauben.
Kilometerstand 69577 bis 69766, gefahrene Kilometer: 189

Donnerstag 1.9.1977
Südlich von In Ekker gibt es viele Pisten, die nur zu Militärstützpunkten führen. Die Piste ist anfangs sehr schlecht, wird aber nachher besser.

Luftspiegelung meines gelben Mercedes Unimog auf der "alten" Hoggar Piste bei In Ekker
Mirage of my yellow Mercedes Unimog on the ancient Hoggar pist near In Ekker

Durch die Umleitungen verpassen wir den Wendekreis. Das Bier gibt es einige Kilometer südlich 70 km vor Tam. Bernds Antriebsdeckel ist ausgeschlagen. Austausch gegen entsprechendes Teil der Vorderachse. Wenig später bleibt der Landrover in einem Sandloch stecken, weil er nur noch Heckantrieb hat.
Wir erreichen Tam gegen 17:45 Uhr. 3 Briefe für mich sind angekommen. Treffen Hannoveraner VW-Bus aus In Salah wieder. Primitiver Campingplatz wird als Hotel bezeichnet.
Kilometerstand 69766 bis 69944, gefahrene Kilometer: 178

Freitag 2.9.1977
Wir machen zunächst einen recht schlaffen Tag auf dem Campingplatz. Bernd tauscht ein billiges Messinstrument und eine Fußluftpumpe gegen 2 gebrauchte Antriebswellendeckel. Jochen erhält Post von Petra. Bernd macht Ölwechsel und stellt die Ventile ein. Am Abend beginnen wir dann zu arbeiten. Reifenwechsel von vorne nach hinten und abschmieren. Brief Nr. 6 von zu Hause.
Kilometerstand 69944, gefahrene Kilometer: 0

 

Von Tamanghasset nach Djanet

Samstag 3.9.1977
Wir melden uns bei der Präfektur für die Strecke nach Djanet ab. Wir fahren allerdings nur die kurze Strecke zu einer Mineralquelle. Wir erreichen diese noch vor dem Sonnenhöchststand. Heidrun und Jochen waschen. Gegen Abend ziehen wir die beiden hinteren Federn fest und öffnen die Stoßdämpfer. Wir stellen fest, dass eine Dichtung kaputt ist. Wollen Stoßdämpfer per Luftfracht nach Djanet schicken lassen. Während der Arbeiten fängt es stärker an zu regnen.
Kilometerstand 69944 bis 69961, gefahrene Kilometer: 17

Sonntag 4.9.1977
Bernd fotografiert von einem Berg aus den Hoggar bei Sonnenaufgang. Wir klettern zu einer Guelta, die jedoch fast ausgetrocknet ist. Die Piste ist teilweise recht schlecht ( Wellblech). Unterwegs neolitische Gräber und Felsmalereien. Die Steigungen nehmen zu bevor wir uns dem Abzweig nach Djanet nähern. Jochens Kamera ist defekt (Blende klemmt). Etwa ein Stunde vor Sonnenuntergang erreichen wir die Schutzhütten auf dem Assekrem. Wir gehen früh schlafen, weil wir zum Sonnenaufgang zur Eremitage aufsteigen wollen.
Kilometerstand 69961 bis 70044, gefahrene Kilometer: 83

Montag 5.9.1977
Das Wetter ist leicht diesig. Sichtweite maximal 10 km. Kurz nach Sonnenaufgang steigen wir zur Eremitage hoch (Jochen bleibt unten und repariert seine Kamera). Wir besichtigen die kleine Bibliothek und Wetterstation. In diesem Jahr soll es sehr trocken sein. 8 mm Niederschlag anstatt 120 mm im Jahresdurchschnitt. In der Eremitage leben etwa 4 Leute.
Die Piste zurück ist zunächst sehr schlecht. Wir besuchen einen neolitischen Kultplatz. Später fahren wir in einem Flusstal mit steppenartiger Vegetation. Der angebotene Schmuck wird zu Touristenpreisen verkauft (wir kaufen nichts). In Outoul duschen und Wasser auftanken (Wasser sehr sandig). Durch die Bauarbeiten auf der Hoggarpiste sind Querspuren nicht erkennbar. Wir haben Schwierigkeiten auf die Hoggarpiste zu kommen. Übernachtung in Tit. Ich habe Durchfall und leichtes Fieber.
Kilometerstand 70044 bis 70158, gefahrene Kilometer: 114

Dienstag 6.9.1977
Bernd tauscht Reifenflicken gegen Schmuck. Fahrt auf der Piste nach Abalessa. Die Piste ist mittelmäßig: enthält Sandstellen und Wellblech. In Abalessa Einkauf von Tomaten. Grabstätte der ersten Touareg-Königin ziemlich zerfallen. Versuchen möglichst große Steigung zu fahren. Rückfahrt nach Tam. Kurzes Telefongespräch zu Bernds Eltern. Wir fahren tanken. Dies ist ein größeres Unternehmen. Das Benzin muss von Hand in Kanister gepumpt werden. Tankwart ist ziemlich eingebildet: Sie müssen ja nicht hier tanken (es gibt nur eine Tankstelle in Tam). Getriebeöl gibt es nur in 200 l Einheiten.
Brief Nr. 4 an Renate. Wir treffen 8 Biologen aus Tübingen, die mit 2 VW-Bussen ebenfalls nach Djanet wollen, allerdings erst in einer Woche.
Kilometerstand 70158 bis 70304, gefahrene Kilometer: 146

Mittwoch 7.9.1977
Wir entschließen uns heute nach Djanet aufzubrechen. Wasser auftanken. Heidrun überlässt einem Mädchen, dessen Freund mit 608D mit defektem Kühler 200 km südlich von Tam sitzt, einige Toilettenartikel. Wir kontrollieren unsere Kühlerschrauben. Es dauert bis etwa 11:30 Uhr bis wir aufbrechen.. Die Wellblechpiste schafft bei uns ein Glas Zitronentee. Treffen 2 VW-Busse aus Djanet. Mittagessen am Abzweig nach Hirhafok / Assekrem. Strecke nach Hirhafok stark ausgewaschen. Bernd hat Reifenpanne. Übernachtung in einem Wadi 30 km vor Hirhafok. 
Kilometerstand 70304 bis 70436, gefahrene Kilometer: 132

Donnerstag 8.9.1977
Nach dem Aufstehen flicken wir sofort Bernds Reifen. 2 Dornen hatten sich in den Schlauch gebohrt. Kurz vor der Abfahrt stellen wir fest, dass am rechten hinteren Stoßdämpfer die Befestigung abgerissen ist. Wir fahren daher ab sofort ohne unteren Anschlag für die Federung, was unsere Fahrtgeschwindigkeit weiter verlangsamt. In Hirhafok kauft Jochen eine weitere Gerba (Zotti). Die Piste ist gut markiert. 5 km hinter Ideles steht ein  Landrover mit Schaden am hinteren Differential. 90 km weiter treffen wir 3 Landrover mit 35 Mann Besatzung, die kein Reifenflickzeug bei sich haben. 100 km hinter Ideles übernachten wir. Es ist abends recht windig. Nach Sonnenuntergang kommt erst Gewitter, dann Regen. Ein einmaliges Erlebnis.
Kilometerstand 70436 bis 70596, gefahrene Kilometer: 160

Freitag 9.9.1977
Auf der Fahrt durch die Hamada treffen wir einige Pfützen an. Wir fahren nach der Beschreibung im Tesch (Afrika Führer für Selbstfahrer von B. Tesch). Wir fahren aus Spaß auf eine Sanddüne. Der Landrover kommt immer weiter. Am Nachmittag wird das Wetter wieder schlechter. In der Ferne Gewitter. Piste wird nach dem Abzweig nach Amguid schlechter. Die Landschaft ist äußerst eintönig. Übernachtung 40 km vor Fort Gardel (Zaouatallaz).
Kilometerstand 70596 bis 70792, gefahrene Kilometer: 196

Samstag 10.9.1977
Beim Auftanken vor der Abfahrt stellen wir fest, dass sich die Frontplatte der Inneneinrichtung gelöst hat und etwa 2 cm nach vorne gekommen ist. Wir bohren die Winkel und Platte auf M6 auf. Diese mühevolle Arbeit dauert fast 3 Stunden. Kurz vor 12:00 Uhr fahren wir ab. Die Piste ist weiterhin schlecht. Wir tanken Wasser in Fort Gardel (Zaouatallaz) auf, während Bernd einen abgestürzten Flugzeugmotor untersucht. Das Wasser wird mit Motorpumpe gefördert. Als wir feststellen dass die Piste nach Djanet ebenfalls sehr schlecht ist, müssen wir unseren Plan endgültig aufgeben, (heute) bis Djanet zu kommen. Als wir von der Hauptpiste abfahren, verfahren wir uns etwas. Der Unimog bleibt im Sand stecken und muss mit der Seilwinde herausgezogen werden. Wir fahren zurück zur Hauptpiste und haben unseren Schlafplatz etwa 100 km vor Djanet. Am Abend sehen wir ein Auto auf der Piste, was jedoch etwa 3 km von uns entfernt anhält. Dies bereitet uns Sorge. Gegen 0:30 Uhr werden wir wieder durch Scheinwerferlicht alarmiert. 1 Stunde später stellen wir fest, dass es sich um ein anderes Auto, einen Militär-LKW handelt.
Kilometerstand 70792 bis 70908, gefahrene Kilometer: 116

Sonntag 11.9.1977
Beobachtung eines LKW in weiter Entfernung (der von gestern abend). Fahren LKW hinterher. LKW sandet ein. Bernd versucht mit Winde zu ziehen - vergeblich. Wellblech furchtbar. Unimog schwankt. Kann neben der Piste auf Sand fahren. Wären einmal fast eingesandet.
Am Spätnachmittag Ankunft in Djanet. Regen. Hotel (Hotel Zeriba im Zentrum von Djanet) besteht aus Strohhütten. Treffen 1 deutschen und 1 französischen VW-Bus. Post hat geschlossen. Flughafen ist für 3 Monate geschlossen. Kein Bier. Campen unter Palmen und gehen früh schlafen. Djanet - Tam 716 km inklusive 32 Um-km (Umwege)
Kilometerstand 70908 bis 71021, gefahrene Kilometer: 113

Montag 12.9.1977
Langes Schlafen. Kaffeetrinken bis 13:00 Uhr. Wir fahren zur Post. Viel poste restante da (2 Briefe von Renate, 1 von meinen Eltern). Jochen versucht zu Hause anzurufen - ohne Erfolg. Brief Nr.5 an Renate. Eseltour (Wanderung zu den Felsbildern von Tamrit und Sefar) 7 Tage soll am 16. oder 17. starten. Autowerkstatt sieht extrem primitiv aus. Der Meister ist verreist. Auftanken. Kein Getriebeöl. Ich habe starke Halsschmerzen.
Kilometerstand 71021 bis 71031, gefahrene Kilometer: 10

Dienstag 13.9.1977
Wir sitzen schlaff rum. Jochen versucht zu Hause anzurufen - jedoch Stromausfall. Für Bernd und Heidrun ist wieder Post da. Einziges besonderes Ereignis: Am Abend sehen wir im Zollhof 2 hier abgestellte deutsche Unimog 404S mit Aachener und Siegburger Kennzeichen. Der Zollbeamte erzählt, dass die Autos hier hinterlassen wurden, er aber keine Teile davon verkaufen könne.
Kilometerstand 70596, gefahrene Kilometer: 0

Mittwoch 14.9.1977
Brief an meine Eltern (Nr.7). Jochen, Bernd und Heidrun gehen zum Markt und telefonieren. Die Verbindung ist sehr schlecht. Wir finden einen privaten Führer, der uns in einer 6-Tagestour Felszeichnungen zeigen würde. Es zeigt sich jedoch, dass er keine Esel hat, wir nicht bis zur Plateaukante mit dem Auto heranfahren würden und die Tour nur unwesentlich billiger wäre als die Fünftagestour des Tourist-Office. Wir buchen danach die 5-Tagestour. Start 17.9.1977 7:00 Uhr. Bernd besorgt Fotografiergenehmigungen. Ich habe immer noch sehr starke Halsschmerzen.
Kilometerstand 70596, gefahrene Kilometer: 0

Donnerstag 15.9.1977
Ich habe in dieser Nacht kaum geschlafen. Wir stehen um 6:30 auf um zum Bauhof zu fahren wegen Unimog-Ersatzteilen. Die erste Fahrt ist erfolglos, weil niemand anzutreffen ist. Auf der 2 Fahrt stellen wir zwar fest, dass die Werkstatt Ersatzstoßdämpfer hat, aber die Abgabe streng verboten ist (Staatseigentum).
Die Geschäfte sind heute geschlossen. Gegen Mittag kommt ein Schweizer Landrover (französischsprachig) aus Tam an und stellt sich neben uns. Wir beschließen um 13:30 zu den Sanddünen zu fahren. Vorher wollen wir aber noch den Arzt im Krankenhaus aufsuchen um geeignete Medikamente gegen meine Halsschmerzen zu bekommen. Der Arzt kommt um 16:00 zur Visite. Um 16:30 Uhr bin ich dann dran. Der Arzt ist sehr freundlich. Ich bekomme eine Penicillin-Spritze, Tabletten und Spray (alles umsonst). Wir fahren nun nicht mehr in den Erg, sondern zurück zu unserem Standplatz.
Kilometerstand 71039 bis 71069, gefahrene Kilometer: 30

Freitag 16.9.1977
Ich habe zwar etwas mehr geschlafen, aber mein Hals ist immer noch sehr stark geschwollen. zum Frühstück gibt es Haferflocken. Jochen hat ebenfalls Halsschmerzen. Sehr schlaffer Tag. Die anderen drei spielen Skat während ich Radio höre. Am Abend macht Bernd Berliner, Heidrun und ich packen für unsere Tour, während Jochen durch seine Halsschmerzen total ausfällt.
Kilometerstand 71069, gefahrene Kilometer: 0

 

Die Wanderung nach Tamrit und Sefar zu den Felsbildern

Samstag 17.9.1977
Wir stehen um 4:30 Uhr auf. Packen im Dunkeln zusammen und sind pünktlich um 7:00 Uhr an dem vereinbarten Treffpunkt. Ein Landrover, der uns zum Pass bringen soll, steht ebenfalls schon abfahrbereit da. Nun beginnt jedoch erst der Ärger. Wir haben vom Bürgermeister die schriftliche Genehmigung unsere Wagen im Feuerwehrhof abzustellen. Wir warten fast 1 1/2 Stunden bis er kommt. Dann nimmt er die Genehmigung und zerreißt sie, weil kein Platz ist. Wir wollen die Wagen vor dem Hotel abstellen, worauf der Besitzer uns versichert, dass diese aufgebrochen werden. Es gibt ein langes Hin und Her, bis wir schließlich die Wagen doch dort lassen. Ich hätte am liebsten die Tour abgesagt. Es handelt sich um reinen Touristennepp: für 2000 Dinar = 1200 DM wird nichts geboten außer Führer und 4 Esel.
Um 9:10 Uhr fahren wir schließlich in Djanet los. Der Landrover ist sehr klapprig und fährt einen heißen Reifen auf der Piste. Um 9:45 Uhr kommen wir an der Stelle an, wo die Esel auf uns warten. Wir gehen sofort los. Durch die fortgeschrittene Zeit ist es wirklich schon sehr heiß. Die Strecke ist sehr schwierig, ja man kann sagen, dass wir uns 5 Stunden über Geröllhalden und Felsplateaus durcharbeiten. Der Führer macht etwas rum wegen Jochens Kamera. Um 3:00 Uhr erreichen wir Tamrit. 1 Zelt eines Explorationsteams. Wir sind ziemlich fertig. Meine Schuhsohle beginnt sich aufzulösen. Ich lege mich hin. Trotz mindesten 30°C Außentemperatur ziehe ich Pullover und Parka an und decke mich mit Schlafsack zu. Erst nach einem heißen Tee und dem Abendessen sind die Erschöpfungserscheinungen vorbei.
Wir laufen noch knapp 2 Stunden zu verschiedenen Felsbildern und kommen bei Einbruch der Dunkelheit zurück. Nach einem Tee legen wir uns schlafen. Gesamtwanderzeit 7 Stunden.
Kilometerstand 71069 bis 71071, gefahrene Kilometer: 2

Sonntag 18.9.1977
Wir stehen um 7:00 Uhr auf um früh loszukommen. Beim Abmarsch um 8:30 Uhr stellt Heidrun fest, dass sie in ihren Schuhen nicht mehr laufen kann. Der Führer holt die Esel zurück. Heidrun probiert Bernds Schuhe. Schließlich setzt sich Heidrun auf einen Esel, dessen Gepäck teilweise auf uns verteilt wird. Jochen, der Führer und ich tragen jeweils ein Schlafsackpaket (ich mein eigenes mit Decke, Hose, Parka usw.). Mittlerweile ist es auch schon 10:10 Uhr, so dass wir auf jeden Fall auch in den heißen Tagesstunden wieder laufen müssen. Die Strecke geht hauptsächlich über ein endloses Plateau  dachziegelartiger Steine. Wir müssen oft pausieren und verfluchen die Tour. Ziemlich erschöpft kommen wir um 14:40 Uhr, also nach 4 1/2 Stunden, in Sefar an, wo Heidrun schon eine 3/4 Stunde auf uns wartet.
Jochen und Bernd laufen noch 2 Stunden durch Galerien von Felsbildern. Meine Halsschmerzen werden sehr schlimm. Ich bekomme meinen Mund gerade 2 cm auf.
Kilometerstand 71071, gefahrene Kilometer: 0

Montag 19.9.1977
Meine Halsschmerzen sind fast unerträglich. Ich nehme jetzt Penicillintabletten von Bernd. Jochen und Bernd sehen sich etwa 2 Stunden Felsbilder an. Nach dem Mittagessen starten wir zu einer neuen Etappe. Der Führer hat offenbar Schwierigkeiten mit seinen Füßen. Er läuft extrem langsam. An jeder Ecke Felsbilder - mir hängen sie schon längst zum Hals raus. Wir erreichen den Rastplatz nach 3 Stunden gegen 18:00 Uhr. Ich bin ziemlich krank, kriege  kaum was runter und habe extreme Schwierigkeiten beim Schlucken.
Kilometerstand 71071, gefahrene Kilometer: 0

Dienstag 20.9.1977
Ich habe 6 Stunden durchgeschlafen. Mir geht es am Morgen etwas besser. Heidrun wird heute wieder auf den Esel verladen. Da wir einen Teil unserer Vorräte aufgegessen haben, brauchen wir unsere Schlafsäcke zum Glück nicht mehr zu tragen (weil die Esel es tun). Mittagsrast in Tamrit. Ab 4:00 Uhr laufen wir noch 2 Stunden über das Plateau zurück. Wir laufen dem Führer davon. Langsam haben wir uns eingelaufen.
Kilometerstand 71071, gefahrene Kilometer: 0

Mittwoch 21.9.1977
Wir stehen um 6:30 Uhr auf, marschieren um 8:00 Uhr ab. Heidrun geht zu Fuß und bleibt mit Bernd und dem Führer zurück. Jochen und ich sind um 10:30 an der Stelle, wo wir um 11:15 Uhr mit dem Landrover Richtung Djanet abfahren. Heidrun erreicht auf einem Strumpf den Landrover. In Djanet stehen 4 deutsche VW-Busse. Die Tübinger erzählen uns zu unserem großen Schreck, dass die Verlängerung der Visa 10-15 Tage dauert. Wir ziehen ins Hotel. Das ganze Dorf besteht aus einem Riesendorfklüngel, in dem wohl fast alle drinstecken, vielleicht mit Ausnahme der Polizei, die allerdings überhaupt nichts zu sagen hat.
Wir schlagen uns im Hotel den Bauch mit einem kräftigen Mittagessen voll. Bernd geht zur Daira, wo man ihm erklärt, dass man die Verlängerung des Visums 15 Tage vor Ablauf beantragen muss. In Tam hatte man uns das Visum nicht verlängert, weil wir erst 14 Tage im Land waren. Wir fühlen uns ziemlich verarscht, da wir nun unter Zeitdruck kommen. Wir wollen am 5. oder 6.10 in Tunis sein.
4 der Tübinger entschließen sich einen Fahrerjob in Libyen anzunehmen. Post ist inzwischen keine mehr gekommen. Meine Boots haben sich total aufgelöst. Überall sind Nähte geplatzt. Am Abend gibt es Eierkuchen.
Kilometerstand 71071, gefahrene Kilometer: 0

 

Möglichst schnell von Djanet nach Ouargla zur Visaverlängerung

Donnerstag 22.9.1977
Langes Schlafen. Frühstück im Hotel. Bernd geht um 10:00 Uhr zur Daira. Wenig später kommt er mit den Pässen wieder. Wir müssen möglichst schnell nach Ouargla fahren. Zunächst entbrennen Meinungsverschiedenheiten über die weitere Taktik. Um 15:15 Uhr fahren wir schließlich ab, nachdem uns der Zoll die Einfuhrgenehmigung für das Fahrzeug um einen Monat verlängert hat. Wir fahren 35 km, dann 20 km ab von der Piste in den Erg.

Durchquerung des Erg Admer nördlich von Djanet Richtung Fort Serouenout
Crossing Erg Admer north of Djanet to fort Serouenout

Dort Versuch über eine Düne zu fahren. Einsatz von Sandblechen. Übernachtung am Fuß der Dünen.
Kilometerstand 71071 bis 71125, gefahrene Kilometer: 54

Freitag 23.9.1977
Wecken um 7:00 Uhr. Sonnenaufgang in den Dünen. Abfahrt 8:30 Uhr. Fort Gardel 13:00 Uhr. Bernd braucht für diese Strecke nur die halbe Zeit. 10 km hinter Fort Gardel überholen wir die Tübinger. Strecke sehr schlecht. Starke Auswaschungen. Am Rand der Straße kleine Baggerseen. Wir sehen eine Dornschwanzechse und eine Gazelle. Übernachtung 150 km vor Illizi. Ölwechsel. Tisch abgerissen.
Kilometerstand 71125 bis 71369, gefahrene Kilometer: 244

Samstag 24.9.1977
Wieder 7:00 Uhr aufstehen. Stellen fest, dass sich unsere Batterien immer wieder lösen. Klemme wird zurechtgefeilt und etwas untergelegt. Halterung für die Motorraumklappe (Verschleiß) reißt ab. Abfahrt 9:10 Uhr. Zum Teil gute, teils sehr schlechte Piste mit Auswaschungen. Etwa 20 km Schnitt bis Illizi. Illizi - totes Nest. Keine Kameltouren (ins Oued Djerat). Benzin erst abends (45°C). Keine Getränke. Fahren sofort weiter. In einer Sanddüne treffen wir Schweizer mit Ami C. Ziehen sie mit Seil heraus. 50 km hinter Illizi wird wieder ein Kanister undicht. Übernachtung 60 km hinter Illizi. Reparatur unserer Trittleiter.
Kilometerstand 71369 bis 71588, gefahrene Kilometer: 219

Sonntag 25.9.1977
Weiterfahrt nach El Adeb Larache. Dort Erdölcamp. Treffen Unimog. Baden im selbst gebauten Schwimmbad. Die letzten Kilometer Piste sind recht gut. 100 km vor In Amenas Teerstraße. Zum Teil mit starken Schlaglöchern. Fahrt durch den Erg. Vor In Amenas Sandsturm. In Amenas ist ein totes Nest, nur auftanken. Weiterfahrt Richtung Ouargla. Übernachtung neben der Straße 30 km vor Ohanet. Tübinger Busse fahren durch. Recht viel Verkehr auf der Straße (ca. 5 - 10 KFZ pro Stunde). Wir fangen eine Wüstenspringmaus und beobachten sie in einem Zitronenteeglas.
Kilometerstand 71588 bis 71882, gefahrene Kilometer: 294

Montag 26.9.1977
7:00 Uhr wecken, aufstehen. Abfahrt 8:50 Uhr. Wir fahren über 200 km bis an den Abzweig zu einer Wasserstelle (Hassi Tabankort). Dort Gespräch mit LKW-Fahrern und Mittagessen mit ihnen (guter Couscous). Tee. Anschließend Fahrt zu der 2 km entfernten Wasserstelle, wo schwefelhaltiges Wasser mit einer Temperatur von 40° bis 45°C aus dem Boden schießt. Wir nehmen ein heißes Bad. Weiterfahrt nach Hassi Bel Guebbour, wo wir von der Wüstenpolizei (...) zum Kaffee und Datteln eingeladen werden. Wir bekommen einige Dosen Milch mit auf den Weg. Weiterfahrt bis Einbruch der Dunkelheit. Schlafplatz direkt an der Straße (unangenehm laut) ab 21:30 Uhr. In der Nacht kommt starker NO-Wind auf.
Kilometerstand 71882 bis 72304, gefahrene Kilometer: 422

Dienstag 27.9.1977
Wegen des starken Sturmes frühstücken wir im Wagen (Frühstücksei!). Zunächst können wir wegen des Gegenwindes nur etwa 50 km/h fahren. In Hassi Messaoud ist nicht viel los, vor allem weiß keiner Bescheid. Wir tanken, gehen essen und holen unsere Post ab (Brief von meinen Eltern). Brief an Monika und Renate (Nr.6).
Weiterfahrt nach Ouargla. Dort nur arabische Beschriftung (lateinische überpinselt). Suchen Wilaya (geschlossen) und gehen über den Markt. Schlafplatz etwas außerhalb Richtung Ghardaia. Tomatensalat.
Kilometerstand 72304 bis 72659, gefahrene Kilometer: 355

Mittwoch 28.9.1977
Wir stehen früh auf und fahren zur Wilaya. Der zuständige Sachbearbeiter ist recht freundlich, jedoch muss alles natürlich seinen Dienstweg gehen. Wir zahlen zunächst eine Verwaltungsgebühr 4x25=200! Wir müssen dann zum Kommissariat. Dort endloser Formularwust. Brief 2 fach / Person an den Wali. Wir brauchen Passfotos. Diese sind nicht sofort zu bekommen. Bernd und Heidrun können am Nachmittag ihre Anträge abgeben, während Jochen und ich bis morgen wegen der Fotos warten müssen. Mittagessen in kleinem Restaurant. Am Nachmittag echte Coca Cola. Einkauf von Tomaten. Versuch Autoersatzteile zu bekommen erfolglos. Abends Nudeln mit Tomatensoße. Mir ist etwas schlecht. In der Nacht ...
Kilometerstand 7659 bis 72675, gefahrene Kilometer: 16

Donnerstag 29.9.1977
Um 10:30 können Jochen und ich die Passfotos abholen. Anschließend geben wir unsere Visaanträge ab. Bei Sonarem kaufen wir Birnen und Stoßdämpfer ein. Beim Wasser Auftanken an einer Tankstelle treffen wir jemanden, der weiß, wie man an Getriebeöl kommt.
Am Nachmittag Beginn der großen Autoinstandsetzungsaktion. Einbau der Stoßdämpfer macht kleine Probleme (Unterlegscheiben müssen gesägt werden). Am Abend gibt es Bratkartoffeln mit Spiegelei, das mir jedoch im Laufe der Nacht wieder hochkommt.
Kilometerstand 72675 bis 72711, gefahrene Kilometer: 36

Freitag 30.9.1977
Langes Ausschlafen. Brief Nr. 8 an meine Eltern geschrieben. Anschließend Tischreparatur, Ventile und Zündung einstellen. Reinigung des Innenraums. Wir sind bis zum Einbruch der Dunkelheit mit dem Unimog beschäftigt. Stellen fest, dass Fettpresse weg ist. Gehen früh zu Bett. 100 m entfernt macht jemand ein Feuer.
Kilometerstand 72711 bis 72713, gefahrene Kilometer: 2

Samstag 1.10.1977
Wir stellen morgens fest, dass wir bestohlen wurden. Es fehlen: die große Arbeitsdecke von uns, 4 Paar Schuhe von Bernd und Heidrun sowie ein Geschirrtuch.
Wir fahren zur Wilaya und müssen feststellen, dass unsere Pässe immer noch nicht bei der Polizei liegen.
Wir sehen uns den Kamelmarkt an und kaufen 2 große Gasflaschen, die wir füllen lassen (besser gesagt eine ...). Mittagessen wieder im Restaurant. Am Nachmittag sollen die Pässe zur Wilaya gebracht werden, aber um 18:00 Uhr sind sie immer noch nicht dort. Enttäuscht fahren wir wieder zu unserem Schlafplatz. Nun muss aus Zeitgründen unser Besuch von Ghardaia ausfallen.
Kilometerstand 72713 bis 72741, gefahrene Kilometer: 28

Sonntag 2.10.1977
Wir schmieren ab. Kurz vor Mittag werden unsere Pässe auf der Wilaya bearbeitet. Nun muss ein Polizist sie abholen, damit er sie uns geben kann. Da aber um 11:50 Uhr kein Polizist vorhanden ist, dauert es bis 15:00 Uhr, bis wir unsere Pässe bekommen. Inzwischen hat Bernd nach Hause angerufen.
Wir tauschen unsere 470 deklarierten Francs, tanken auf und fahren Richtung El Oued. Unterwegs suchen wir noch Sandrosen. In der Dunkelheit erreichen wir den Ortseingang von El Oued.
Kilometerstand 72741 bis 73030, gefahrene Kilometer: 284

Endlich die Verlängerung des Visums (auf der linken Seite)
Finally the prolongation of visa (on the left page)

 

Fahrt durch Tunesien

Montag 3.10.1977
Wir tauschen eine Gasflasche. Jochen und die Heilbronner kaufen sich kleine Teppiche. Filmen der typischen Sandtrichter von El Oued. Auftanken und Motoröl 20W50. 20 km vor der Grenze nehmen wir 2 Schweizer Tramper auf. Die Grenzkontrolle (in Taleb Larbi / In Hazoua) ist äußerst lasch. Die Devisen werden nicht kontrolliert, die Autos auf algerischer Seite nicht durchsucht. Wir treffen ein Erprobungsfahrzeug des VW-Werkes: VW-Bus mit Allradantrieb.
Auf tunesischer Seite wünscht man eine Choleraimpfung. Die Schweizer sollen sich im nächsten Krankenhaus impfen lassen. In Nefta tauschen wir Geld, in Touzeur kaufen Heidrun und Bernd einen Teppich ein. Übernachtung 20 km später neben der Straße. Bernds Anlasser wird ausgebaut, weil er defekt ist. Dabei macht Jochen fast Bekanntschaft mit einem Skorpion, den er für einen Hirschkäfer hält. Ölwechsel am Unimog.
Kilometerstand 73030 bis 73209, gefahrene Kilometer: 179

Dienstag 4.10.1977
Am Morgen repariert Bernd seinen Anlasser. Um 10:30 können wir dann starten. Um 12:00 Uhr Mittagessen in Gafsa. Hier ist die Wüste oder gar Steppe endgültig zu Ende. Von hier ab begleiten Galeriewälder die Straßen. In den letzten Tagen muss es geregnet haben, da teilweise große Seen vorhanden sind, wo auf der Karte Chotts eingezeichnet sind. In der Dunkelheit erreichen wir Hammamet, wo es keinen Campingplatz gibt. Unter großem Aufsehen fahren wir auf den Strand von Hammamet. Bier und Wein in einer Bar, die bis 20:00 Uhr geöffnet hat.
Kilometerstand 73209 bis 73601, gefahrene Kilometer: 292

Mittwoch 5.10.1977
Heidrun ist es schlecht. Wir fahren auf guter Straße (teilweise Autobahn) nach Tunis. Dort nach einiger Rumkurverei bekommen wir Tickets für ein Schiff der Tirenia am 7.10.1977. Wir treffen den Bayern aus Reggane vom 23.8.1977 wieder. Er hat viel zu erzählen. Bernd und Heidrun nehmen sich ein Hotel, während Jochen und ich auf den Campingplatz von Hammam Lif fahren, wo auch der Bayer ist. Am Nachmittag Unterhaltung mit einigen anderen Algerienheimkehrern. Am Abend Rotwein mit dem Bayern im Restaurant des Campingplatzes.
Kilometerstand 73601 bis 73741, gefahrene Kilometer: 140

Donnerstag 6.10.1977
Wir verbringen einen schlaffen Tag. Wartungsarbeiten am Auto: Motor- und Getriebeöl nachfüllen. Duschen. Am Abend kommt ein Münchner Unimog, der Tam - Djanet - Ghat gefahren ist. Lange Unterhaltung am Abend im Restaurant.
Kilometerstand 73741, gefahrene Kilometer: 0

Freitag 7.10.1977
Frühes Aufstehen. Fahrt zum Fährschiff im Konvoi mit Münchner Unimog. Wir treffen Bernd und Heidrun am Hafen. Bernd ist es sehr schlecht. Die Grenzabfertigung dauert aber recht lange, das Beladen nimmt 3-4 Stunden in Anspruch. Der Landrover aus Neumarkt kommt nicht mehr mit. Gutes Wetter. Plaudereien auf Deck. Bernd und Heidrun bekommen eine Kabine. Jochen und ich schlafen in feinen Betten ebenfalls in Kabinen der 2. Klasse. Gegen 0:30 Uhr erreichen wir Cagliari auf Sardinien.
Kilometerstand 73741 bis 73778, gefahrene Kilometer: 37

 

Wieder in Europa

Samstag 8.10.1977
Das Wetter ist sehr schlecht. Starker Regen, jedoch nur leichter Seegang. Bernd geht es besser. Die Fahrt gestaltet sich stellenweise recht langweilig. Das Schiff ist jedoch besser als sein Ruf.
Gegen 18:30 Uhr mit ca. 3 Stunden Verspätung legen wir in Genua an. Entladen dauert 1/2 Stunde. Zoll schlaff. Fahrt wenige Kilometer auf Autostrada, dann Landstraße. Übernachtung unmittelbar neben der Landstraße.
Kilometerstand 73778 bis 73819, gefahrene Kilometer: 41

Sonntag 9.10.1977
Aufstehen bei starkem Regen. Fahrt durch Überschwemmungsgebiet. Umleitung wegen abgerutschter Straße. In den Dörfern Militär, das Schlamm wegschaufelt. Flüsse sehr reißend, Felder überspült. Mittagspause bei ... (Bernd und Heidrun gehen Essen). Im Aostatal neue starke Regenfälle. Wasserfälle von den Bergen. Wasserdurchfahrt mit dem Auto. Fahrt über den Großen St. Bernhard-Tunnel. Sichtweite bei der Auffahrt ca. 50 m. Auf der Schweizer Autobahn verlieren wir Bernd. Nachtfahrt über Bern und Basel zur deutschen Grenze. Anruf zu Hause, Cola und Auftanken. Nach 60 km Übernachtung an der Autobahn.
Kilometerstand 73819 bis 74421, gefahrene Kilometer: 602

Montag 10.10.1977
Aufstehen 6:20 Uhr. Abfahrt 7:00 Uhr. Simmering am Radvorgelege vorn rechts wird undicht. Ankunft (in Köln) ca. 10:30 Uhr bei Kilometerstand 74864.
Kilometerstand 7421 bis 74864, gefahrene Kilometer: 443